Frankfuter Allgemeine Buch, 2008
Frankfuter Allgemeine Buch

„Mythen, Legenden, Anekdoten – Storytelling in der Heritage Communication“
Beitrag von Georgios Simoudis (fg branddesign) im Herausgeberwerk
„Tradition kommunizieren“

Der Beitrag behandelt die Bedeutung von Geschichten für die Kommunikation der eigenen Tradition und skizziert die strukturellen Voraussetzung zur optimalen Erhebung und Inszenierung der Unternehmens-/Markengeschichten:

„… Doch selbst die geschichtenfreundlichste Unternehmenskultur wird ohne die entsprechenden organisatorischen Strukturen, die Potenziale der gewonnenen Geschichten in nur unbefriedigendem Ausmaß nutzen können. Dieser Beitrag betrachtet sämtliche um das Unternehmen zirkulierende Geschichten als Heritage Communication, ganz unabhängig davon, wer die Geschichten erzählt (PR, Werbung, Mitarbeiter, Kunden, Öffentlichkeit), wovon sie handeln (Produkte, Gründer, Mitarbeiter, Kunden etc.) und an wen sie sich richten (interne oder externe Zielgruppen). Eine organisatorische Lösung, die diesem Verständnis gerecht werden will, muss entsprechend einschränkungsfrei gestaltet werden.

Das Problem ist, dass Storytelling-Projekte in aller Regel aktions- oder kampagnengebunden sind. Die Geschichten werden zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem klar definierten Zweck entlang konkreter Auswahlparameter gesammelt oder entwickelt und eingesetzt. Die Zielsetzung ist dabei abteilungsspezifisch. Die Personalabteilung interessiert sich für andere Geschichten als der Vertrieb oder die Mitarbeiterin, die die Besucherführungen durch das Unternehmen leitet. Natürlich gibt es Schnittmengen und die sind umso größer, je klarer eine Marke bzw. ein Unternehmen geführt wird und je ganzheitlicher die Mitarbeiter ihre Organisation begreifen. Trotzdem wird durch diesen projekt-, abteilungs- und zeitpunktspezifischen Filter nur ein Bruchteil des narrativen Potenzials tatsächlich realisiert.

Will ein Unternehmen größere Teile dieses verborgenen Schatzes heben, bedarf es einer Stelle im Unternehmen, der es im ersten Schritt ausschließlich um die „gute Story“ geht, und zwar aus der Überzeugung heraus, dass sich für eine starke Geschichte noch genügend Verwertungsmöglichkeiten ergeben werden. Das kann eine Stabstelle sein, die umsetzungsneutral das Unternehmen permanent nach Erzählenswertem durchstöbert. In Korrespondentenfunktion bewegt sich der Storyteller frei durch das Unternehmen, um im Gespräch mit dessen Menschen jene Geschichten herauszufiltern, die auf einnehmende Weise einen Beitrag zur Heritage Communication leisten. Diese Geschichten werden erfasst und systematisiert. Erst danach werden sie den jeweiligen Abteilungen präsentiert und Formen der Umsetzung empfohlen oder gemeinsam entwickelt. Denn was bringt das beste Konzept ohne die entsprechende Geschichte? Hingegen ist es einfach, einer starken Geschichte eine Plattform zu geben …


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